EMERICH RATH


Ein allseitiger Sportler, Olympionike, Tramp-Romantiker, aber vor allem ein ehrenhafter Mann, der in Broumov (Braunau) einen Teil seiner Jugendjahre und seines Lebens durchgelebt hatte. Auf diese Art und Weise kann man diesen Menschen mit ein paar Worten charakterisieren, der wahrscheinlich der erste Skiläufer im Braunauer Land gewesen war.

Jugendjahre in Broumov

Sein reichliches Leben hatte er in Prag angefangen, wo er den 5. November 1883 als das zweite Kind in der Familie von Josef Rath und seiner Gemahlin Františka (geboren Vaner) geboren wurde. Der erstgeborene Sohn in der Familie Rath, Emerichs Bruder Rudolf, war um 7 Jahre älter als Emerich. Die ersten vier Jahre seines Lebens hatte Emerich mit Eltern in Prag verbracht. Im Jahre 1887 war die ganze Familie nach Broumov umgezogen. Sein Vater wurde als Krankenpfleger beschäftigt, wahrscheinlich in ein nicht großes Privatkrakenhaus der Schroll-Firma (In diesem Krankenhaus war Emerichs Vater als Patient im Jahre 1908 im Alter von 59 Jahren gestorben).

Im Jahre 1889 hatte Emerich seine Schulpflicht angefangen. Er hatte sich nicht durch einen guten Fortgang ausgezeichnet, die beste Zeugnisnote hatte er in Geographie, Geschichte und Naturkunde. Im Jahre 1896 hatte Emerich seine erste Skier von einem Studenten aus Wien bekommen.

Emerich war ein echter Ski-Bahnbrecher im Braunauer Land, stellt man dabei in Rechnung, daß Graf Harrach die ersten zwei Skier in Tschechien im Jahre 1892 aus Norwegen eingefahren hatte. Nur vier Jahre danach Emerich läuft Ski! Er war nicht nur der erste Schiläufer im Braunauer Land, sondern auch einer von den ersten in Tschechien.


Ein allseitiger Sportler

Die Familie Rath hatte das Braunauer Heimatsrecht den 13. März 1903 erworben. In folgenden Jahren hatte Emerich in den Rott-Eisenwaren ausgelernt. Dann hatte Emerich vorwiegend in Deutschland gelebt und gearbeitet. Hier, jung und voller Energie, hatte Emerich an verschiedenen Wettkämpfen teilgenommen. Emerich hatte sich mit Františka Krausová den 24. Juni 1912 in Berlin verheiratet. Zu dieser Zeit hatte er seinen Lebensunterhalt als Kaufmann verdient. Zwei Jahre nachher, den 1. April 1914 waren Emerich und seine Frau nach Prag umgezogen. Hier hatte Emerich sein Geschäft mit sportlichen Waren erschloßen.

Das Sportprofil von Emerich besteht aus verschiedenen Sportarten. Man hatte Emerich als ALLROUND-SPORTSMAN (ein allseitiger Sportler) bezeichnet. Er hatte Athletik getrieben - Kugelstoßen, ein hoher und weiter Sprung, als Bergsteiger hatte er viele Alpengiganten bestiegen, er hatte Fußball, Hockey, Tennis und Rugby gespielt. Emerich hatte gerungen, Boxen getrieben, hatte Vorliebe für Wassersport - hatte an Kajakrennen teilgenommen, war ein bekannter Eisschnelläufer. Emerich hatte Langstreckenlaufen und Gehsport geliebt, aber die größte sportliche Vorliebe hatte er für Schilaufen - er hatte sich an Wettstreiten in Tschechien, Deutschland, Österreich, Italien, Schweden, Finnland und Norwegen beteiligt. Allerorts hatte er Freunde.


Emerich Rath - Sportler, Tramp und Indianer

Von Kindesbeinen an liebte Emerich Abenteurromane, Indianer, Romantik und das Leben im Freien. Zwischen Weltkriegen hatte er eine Holzhütte am romantischen Fluß Sázava gekauft. Hier hatte er Freizeit am Wochenende verbracht. In der Hütte hatte er ein geschnitztes Totem. Abends hatte er beim Lagerfeuer im indianischen Anzug mit einem Stirnband und einem indianischen Tomahawk gesessen. In diesem Anzug hatte er sich Weihnachtsglückwünsche mit Familien seiner Verwandten und Bekannten daheim in Prag gewechselt.

Bei seiner Holzhütte hatte Emerich einen Sportplatz, eine Laufstrecke, eine Sprunggrube und einen Kugelstoßenplatz aufgebaut. Das ganze Areal wurde als Rath-Ranch bezeichnet und Emerich hatte einen Spitznamen "Ein grauer Wolf" bekommen. Hier hatte Emerich ein glückliches Zeit verbracht - hier war Emerich barfuß jahrelang (auch im Winter - er war sehr abgehärtert).

Emerich war bekannt durch seinen Vegetarismus.


Prager Schindler

Während des zweiten Weltkrieges hatte Emerich keine Vorteile dank seiner Abstammung angenommen. Im Gegenteil, seiner Gesinnung nach war er Antifaschist. Zu dieser Zeit hatte Emerich einen deutschen Juden Boris Efenberg im Lager oder im Keller seines Geschäftes versteckt. Nach dem Krieg hatte Emerich ihn geholfen, nach Schweden abzureisen. Emerich als Antifaschist konnte in Prag bleiben.


Schlechte Zeiten nach dem Jahre 1948

Nach dem Februar 1948 hatte Emerich sein Sportgeschäft verloren und hatte sogar ein Jahr im Gefängnis verbracht. In der Anklage wurde er beschuldigt, daß er einen westlichen Lebensstil und Amerikanismus propagiert hatte - im Schaufester seines Geschäftes hatte er Scouting-Abzeichen, ein indianisches Stirnband und Totem, Ledergürtel aus Colorado, Cowboy-Hüte Stetson, Popeye the Sailor und amerikanische Staatsflagge ausgestellt. Zu dieser Zeit war seine Gemahlin gestorben.


Ein alter Tramp und Sportler resigniert nicht

Emerich Rath hatte im Jahre 1960 zu den Olympischen Spielen nach Rom fahren wollen, erhielt aber leider keine Ausreisegenehmigung. Interessant sind noch seine folgenden Worte: "Um bescheiden leben zu können, habe ich Arbeit als Straßenkehrer angenommen und arbeite täglich 5 bis 6 Stunden. Mir möchte es zwar nichts ausmachen, auch 12 Stunden täglich zu arbeiten. Körperliche Arbeit ist für mich lebenswichtig, auch frische Luft. Ich bin nun ein 77jähriger älterer Jungmann, gesund und nehme alles mit Galgenhumor. Außer 7 Ländern kenne ich ganz Europa und England, wo ich sportlich tätig war. Ich spreche - außer Tschechisch - Deutsch, Englisch, Italienisch, Polnisch, Französisch, Russisch und lerne jetzt noch Spanisch."

Zu dieser Zeit hatte Emerich an Zuckerkrankheit gelitten und nach einer Verletzung war er im Seniorenhaus in Odlochovice geraten. Sein Cousin Jan Rath aus Broumov hatte ihn im Seniorenhaus besucht und hatte ihn angeboten, dass Emerich mit ihm in Broumov leben konnte. Alter Emerich war sehr erfreut und war nach Broumov umgezogen.


Letzte Monate "des Grauen Wolf"

Das Zusammenleben mit Jan hatte nicht lange gedauert - nach einigen Monaten wurde Emerich auf die Straße geworfen. Emerich - ganz mittellos - hatte kreuz und quer durch Broumov herumgestrichen. Emerich hatte auf Sitzbänken geschlafen und hatte sich im Stadtbrunnen gewaschen. Nach einigen Wochen hatte SNB (Polizei) Emerich zum Seniorenhaus in Starkov gefahren. Wenn Emerich ein Aufnahmeprotokoll unterschrieben hatte, hatte er kein Geld, keine Bankeinlagen, keine Geldforderungen gehabt, aber immerhin hatte er erklärt: "Ich will Sport treiben und arbeiten".

Zu dieser Zeit hatte Emerich seinen ehemaligen Mitschüller František Vanìk in Hronov besucht. Kindloser Emerich hatte seinem alten Freund sein Herz eröffnet, daß er ans Familienleben gemangelt hatte. Im Seniorenhaus hatte Emerich die letzten vier Monate seines Leben durchgelebt - Allround-Sportman war seinen letzten Marathonlauf ans Ziel gelaufen - war an Herzinfakt den 21. Dezember 1962 im Alter von 79 Jahren gestorben. Die Passage in Prag an der Straße "Na pøíkopech (Am Graben)" heißt "Raths Passage".


Übersetzung Jan Ullwer